• Thorina Schwarzwald ist Studentin und ernährt sich hauptsächlich von Obst und Gemüse aus ihrem Garten
  • Die 22-Jährige versucht auch über ihre Ernährung hinaus nachhaltig zu leben
  • Sie erklärt, wie einfach es sein kann, im Alltag ein Gefühl für Umweltbewusstsein zu schaffen

 

Warum machst du dir den Aufwand und pflanzt selbst Gemüse an und hältst Hühner, anstatt in den Supermarkt zu gehen?

Naja, ich gehe schon in den Supermarkt, aber halt nicht für alle Lebensmittel. Ich kann mir nur einen Teil meiner Nahrung selbst anpflanzen. Das ist aber kein großer Aufwand, so viel Zeit dafür hätte ich auch gar nicht. Wenn man sieht wie einfach es ist und wie schnell alles wächst, fängt es sogar echt an Spaß zu machen.

 

Gemüse im Supermarkt ist stark behandelt

 

Eins von drei Hochbeeten für den Gemüseanbau. Foto: Judith Mackel

 

Wie kommt man in so jungem Alter dazu, nachhaltig zu leben?

Die Hühner sind wie meine Haustiere, ich bin damit schon aufgewachsen. Auf den Gemüseanbau kam ich irgendwann selbst, weil ich schon seit zig Jahren Vegetariern bin. Und wenn man sich einmal in das Thema Ernährung einliest, gibt es kein Ende mehr. Man erfährt nach und nach immer mehr, was einem alles nicht gefällt. Ich war teilweise so geschockt, wie stark das Gemüse aus dem Supermarkt behandelt ist, dass ich mich dran versucht habe, es selbst anzubauen. Und das hat erstaunlich schnell und einfach geklappt. Im Sommer ernte ich so viel Gemüse, das kann ich gar nicht alles allein essen.

Aus dem eigenen Garten ernähren

 

Was pflanzt du denn alles an? Und werden die Hühner auch irgendwann geschlachtet?

Ich versuche mich immer mal an etwas anderem. Aber meistens gehören Zucchinis, Kartoffeln, Möhren, Salat und Bohnen dazu. Und natürlich im Herbst dann das Obst. Wir haben einen Apfelbaum, Pflaumenbaum und Himbeer- und Brombeersträucher. Die Hühner legen regelmäßig ihre Eier. Die sind zwar super klein, aber schmecken genauso wie die, die man aus dem Supermarkt kennt. Wir haben noch nie ein Huhn geschlachtet! Zum einen esse ich sowieso kein Fleisch und zum anderen sind die wie Haustiere für mich. Jedes Huhn hat einen Namen, das würde ich nicht übers Herz bringen.

 

Wie machst du das im Winter? Da ist das Anpflanzen von Gemüse ja nicht möglich oder?

Das stimmt. Im Winter gestaltet sich das alles etwas schwieriger. Und da gehe ich dann auch für Gemüse ganz normal in den Supermarkt. Im Herbst haben wir noch reichlich Kürbisse, die wir bis in den Winter hinein essen können, genauso wie die ganzen Äpfel. Leider legen die Hühner im Winter auch kaum Eier. Die brauchen nämlich Licht zum Legen und das ist im Winter im Stall nur bedingt. Künstliches Licht wie in der Industrie kommt für mich nicht in Frage. Wenn die Hühner keine Eier legen, dann ist das so. Dann esse ich in der Zeit eben weniger oder gar keine.

 

Die Hühner in ihrem Freilauf vor dem Stall. Foto: Judith Mackel

 

Du sagst, dass die Hühner wie Haustiere für dich sind. Ist das auch der Grund, warum du so eine spezielle Rasse besitzt?

Die Rasse heißt Zwerg-Cochin und ist super zutraulich. Zumindest bei mir (lacht). Und ja wir haben uns damals diese Rasse geholt, weil wir sie besonders fanden und sie leicht zu handhaben ist. Tagsüber sind sie eigentlich immer draußen im Garten. Bei Dämmerung gehen sie in den Stall, dann fährt auch automatisch die Klappe herunter, sodass nachts keine anderen Tiere in den Stall kommen können.

Nachhaltiges Leben braucht nicht viel Zeit

 

Wie bekommst du das alles unter einen Hut? Der Garten, dein Studium, die Tiere…

Ich steh ja nicht den ganzen Tag im Garten und kümmere mich anschließend um die Tiere (lacht). Im Winter ist sowieso alles ruhig. Den Hühnern muss ich einmal am Tag Futter geben und alle paar Tage mal den kleinen Stall sauber machen. Das ist aber in einer halben Stunde getan. Da beansprucht mein Hund schon mehr Zeit für sich. „Letzten Sommer hat er beim Einpflanzen kräftig im Beet mit gebuddelt. Das war fast eine Hilfe für mich (lacht)!“ Zum nachhaltigeren Leben braucht man nicht viel Zeit. Man muss sich anfangs vielleicht ein bisschen in gewisse Themen einlesen. Das war´s dann aber auch schon. Dass sich nicht jeder komplett selbstversorgen kann, ist klar. Das kann ich auch nicht und will ich auch nicht. Wenn man auf kleine Dinge achtet, bringt das ja auch schon was.

 

Der selbstgebaute Hühnerstall von innen. Foto: Judith Mackel

Einfache Tipps zum Thema Selbstversorgung

 

Wie bist du damals an das Thema Nachhaltigkeit herangegangen und hast du vielleicht ein paar Einsteiger-Tipps?

Man kann ja ganz klein anfangen. Z.B. „tausche“ ich regelmäßig Klamotten mit zwei Freundinnen. Man hat immer etwas im Schrank, das man nicht trägt, was aber noch gut oder sogar neu ist. So tauschen wir unsere Kleidung öfter mal. Auch Putzmittel kaufe ich schon länger nicht mehr wirklich. Das ist nämlich super einfach herzustellen aus Zitronensäure oder Essig und Natron. Das spart viel Geld und die ganzen Plastikbehälter. Gemüse und Obst am besten immer saisonal kaufen, also das, was gerade in Deutschland auch geerntet wird. Da sind die Transportwege nämlich kürzer und Saisonprodukte sind zudem oft viel günstiger als anderes Obst und Gemüse. Das gesparte Geld gebe ich dafür gerne für Naturkosmetik aus. Generell gibt es so viele einfache Anleitungen im Internet – so informiere ich mich auch immer über die neuesten Trends.